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Eine Bestellung, die händisch aus dem Shop kopiert, per E-Mail an das Lager weitergegeben und später in der Buchhaltung nacherfasst wird, kostet nicht nur Zeit. Sie schafft Fehlerquellen an mehreren Stellen. Prozesse im Webshop optimieren bedeutet deshalb nicht einfach, neue Software einzuführen. Es geht darum, den Weg von der Bestellung bis zur Zustellung so zu gestalten, dass Mitarbeitende weniger suchen, Kunden verlässlich informiert werden und das Unternehmen auch bei mehr Aufträgen handlungsfähig bleibt.

Gerade bei kleinen und mittleren Handelsunternehmen wachsen Abläufe oft schrittweise. Das ist verständlich: Zuerst reicht eine einfache Shoplösung, dann kommt ein Warenwirtschaftssystem dazu, später ein Versanddienstleister oder ein zusätzlicher Vertriebskanal. Problematisch wird es, wenn Informationen zwischen diesen Systemen nur per Hand übertragen werden. Dann ist nicht der einzelne Arbeitsschritt das Problem, sondern die Summe aus Rückfragen, Korrekturen und Wartezeiten.

Zuerst den tatsächlichen Ablauf sichtbar machen

Bevor technische Schnittstellen oder Automatisierungen geplant werden, braucht es einen nüchternen Blick auf den Ist-Zustand. Viele Betriebe beschreiben ihren Bestellprozess mit wenigen Sätzen. Im Alltag gibt es aber oft Sonderfälle: ein Artikel ist nicht lieferbar, eine Lieferadresse ist unvollständig, ein Gutschein wird nachträglich geändert oder eine Bestellung muss geteilt versendet werden. Genau dort entstehen meist die vermeidbaren Aufwände.

Gehen Sie eine konkrete Bestellung Schritt für Schritt durch – vom Eingang im Webshop bis zur Rechnung, dem Versand und einer möglichen Retoure. Halten Sie fest, welches System dabei verwendet wird, wer verantwortlich ist und welche Daten manuell eingegeben werden. Auch Wartezeiten gehören dazu. Wenn eine Bestellung erst am nächsten Vormittag geprüft wird, ist das ein relevanter Teil des Prozesses, selbst wenn die eigentliche Prüfung nur zwei Minuten dauert.

Nicht jede Ausnahme automatisieren

Eine häufige Fehlannahme lautet: Jeder Sonderfall muss technisch vollautomatisch gelöst werden. Das lohnt sich nicht immer. Tritt ein Fall nur wenige Male im Jahr auf und braucht eine persönliche Entscheidung, ist ein klar definierter manueller Ablauf oft wirtschaftlicher. Wiederkehrende Fälle mit klaren Regeln sind dagegen gute Kandidaten für Automatisierung.

Entscheidend ist, dass Mitarbeitende erkennen können, was zu tun ist. Ein eindeutiger Bestellstatus, eine nachvollziehbare Zuständigkeit und eine kurze Arbeitsanweisung helfen oft mehr als eine komplizierte Sonderprogrammierung.

Prozesse im Webshop optimieren: 7 Hebel mit Wirkung

1. Produktdaten als gemeinsame Grundlage behandeln

Falsche Preise, unklare Varianten oder fehlende Lieferzeiten führen nicht nur zu schlechteren Kauferlebnissen. Sie verursachen Rückfragen im Kundenservice, Korrekturen im Lager und im schlimmsten Fall Stornierungen. Produktdaten sollten daher nicht parallel in mehreren Systemen gepflegt werden, wenn sich das vermeiden lässt.

Definieren Sie, welches System bei Preis, Bestand, Artikelnummer, Gewicht und Produktbeschreibung führend ist. Bei einem Sortiment mit wenigen Produkten kann der Shop diese Rolle übernehmen. Bei vielen Artikeln, Varianten oder mehreren Verkaufskanälen ist meist ein Warenwirtschafts- oder PIM-System die bessere Datenquelle. Wichtig ist weniger das eingesetzte System als eine klare Regel: Wo wird eine Information geändert, und wohin wird sie übertragen?

2. Bestellstatus verständlich und verbindlich gestalten

Status wie „offen“, „in Bearbeitung“ oder „erledigt“ klingen einfach, werden aber in vielen Unternehmen unterschiedlich verwendet. Das schafft Unsicherheit. Legen Sie fest, was jeder Status konkret bedeutet und welche Aktion ihn auslöst. Wurde die Zahlung geprüft? Ist die Ware kommissioniert? Wurde das Versandlabel erstellt? Oder hat das Paket das Haus bereits verlassen?

Für Kunden sollten nur jene Informationen sichtbar sein, die tatsächlich Orientierung geben. Zu viele technische Statusmeldungen verwirren. Intern darf der Ablauf detaillierter sein, sofern das Team damit schneller arbeiten kann.

3. Schnittstellen nach Geschäftsnutzen priorisieren

Eine Schnittstelle zwischen Webshop, Warenwirtschaft, Buchhaltung oder Versand spart dann Zeit, wenn sie verlässliche Daten in ausreichender Qualität überträgt. Wer zuerst alle Systeme miteinander verbinden möchte, schafft oft ein schwer wartbares Projekt. Sinnvoller ist es, mit dem Bereich zu beginnen, in dem die meisten manuellen Eingaben oder Fehler entstehen.

Bei einem Shop mit hohem Bestellvolumen ist das häufig die Übergabe von Aufträgen und Lagerbeständen. Bei beratungsintensiven Produkten kann eine sauber aufbereitete Bestellung für den Vertrieb wichtiger sein. Auch die Buchhaltungsübergabe kann Priorität haben, wenn Rechnungen und Zahlungen laufend nachbearbeitet werden müssen. Die technische Lösung muss zum Prozess passen, nicht umgekehrt.

4. Versand und Lager auf reale Kapazitäten abstimmen

Der beste Checkout hilft wenig, wenn Bestellungen im Lager liegen bleiben. Prüfen Sie deshalb, wann Aufträge an die Kommissionierung übergeben werden, wie Picklisten erstellt werden und wie Versandetiketten erzeugt werden. Bei wenigen täglichen Sendungen kann eine strukturierte manuelle Abwicklung ausreichend sein. Steigt das Volumen, werden Sammelverarbeitung, automatische Versanddaten und klare Cut-off-Zeiten schnell relevant.

Auch Lagerbestände verdienen besondere Aufmerksamkeit. Ein Bestand, der im Shop verfügbar wirkt, aber tatsächlich reserviert oder bereits verkauft ist, führt zu Enttäuschung und Mehraufwand. Je nach Geschäftsmodell kann es sinnvoll sein, Sicherheitsbestände zu berücksichtigen oder Lieferzeiten je Artikel transparent auszuweisen.

5. Zahlungs- und Rechnungsabläufe sauber trennen

Zahlung, Bestellung und Rechnung sind eng verbunden, aber nicht identisch. Besonders bei Vorkasse, Teilzahlungen, Gutscheinen oder Bestellungen auf Rechnung braucht es klare Regeln. Wann gilt ein Auftrag als bezahlt? Wer prüft offene Zahlungen? Was passiert bei einem fehlgeschlagenen Zahlungsvorgang?

Automatische Zahlungsstatus reduzieren Kontrollaufwand, sofern die Anbindung zum Zahlungsanbieter korrekt eingerichtet ist. Für die Buchhaltung sollten Rechnungsnummern, Steuersätze, Versandkosten und Gutschriften nachvollziehbar übergeben werden. Eine scheinbar kleine Unklarheit bei Rabatt oder Umsatzsteuer kann später viele Korrekturen verursachen.

6. Retouren als eigenen Prozess behandeln

Retouren sind kein störender Nachsatz zum Versand, sondern ein eigener Geschäftsprozess. Kunden erwarten eine klare Auskunft, wie sie Ware zurücksenden können und wann sie eine Rückerstattung erhalten. Intern muss geregelt sein, wer den Zustand der Ware prüft, wie der Lagerbestand angepasst wird und wie Teilrückerstattungen behandelt werden.

Eine einfache, verständliche Retourenkommunikation senkt Rückfragen. Bei höherem Volumen helfen standardisierte Rücksendegründe, weil sie Muster sichtbar machen. Wenn ein bestimmtes Produkt auffallend oft retourniert wird, liegt die Ursache möglicherweise bei Bildern, Grössenangaben, Produktbeschreibung oder Verpackung – nicht beim Retourenprozess selbst.

7. Kennzahlen für Entscheidungen nutzen, nicht für Berichte

Ein optimierter Ablauf lässt sich an konkreten Werten erkennen. Dazu zählen die Zeit vom Bestelleingang bis zum Versand, der Anteil manuell bearbeiteter Aufträge, Stornierungen wegen fehlender Ware, Retourenquote und Anzahl der Kundenanfragen zum Lieferstatus. Es braucht nicht zwanzig Kennzahlen. Einige wenige, regelmässig betrachtete Werte reichen, wenn daraus Entscheidungen folgen.

Vergleichen Sie auch Spitzenzeiten mit normalen Wochen. Viele Prozesse funktionieren bei zehn Bestellungen pro Tag, geraten aber bei saisonalen Aktionen oder vor Weihnachten ins Stocken. Wer diese Engpässe früh erkennt, kann Abläufe, Personalplanung und technische Kapazitäten rechtzeitig anpassen.

Optimierung braucht klare Verantwortung

Technik allein löst kein Prozessproblem. Selbst eine gute Shopware-, Magento-, Prestashop- oder individuelle Shoplösung kann nur so zuverlässig arbeiten wie die Regeln und Daten dahinter. Deshalb sollte es für jeden zentralen Ablauf eine verantwortliche Person geben, die Änderungen koordiniert und Rückmeldungen aus Lager, Kundenservice und Buchhaltung aufnimmt.

Bei externen Partnern ist Transparenz besonders wichtig. Eine sinnvolle Umsetzung beginnt mit den konkreten Abläufen im Betrieb, nicht mit einer vorgefertigten Tool-Liste. Oft bringen bereits saubere Produktdaten, wenige eindeutige Status und eine gezielte Schnittstelle spürbare Entlastung. Grössere Automatisierungen können darauf aufbauen, sobald der Nutzen klar belegt ist.

Nehmen Sie sich als nächsten Schritt eine einzige wiederkehrende Bestellung vor und verfolgen Sie sie konsequent durch alle Stationen. Dort, wo Daten erneut eingegeben werden müssen, Zuständigkeiten unklar sind oder Kunden auf Informationen warten, liegt meist der sinnvollste Ansatzpunkt für die nächste Verbesserung.